Stefanie Thies

Stefanie Thies

Veröffentlicht in Coaching

Stefanie Thies

Achtsamkeit im Coaching

Auch beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos kamen wie immer international führende Wirtschaftsexperten, Politiker, Intellektuelle und Journalisten zusammen, um über aktuelle globale Fragen zu diskutieren. Soweit so bekannt. In diesem Jahr hingegen gab es für Frau Merkel & Co neben spannenden Gesprächen auch die Möglichkeit der Meditation, denn John Kabat-Sinn war vor Ort. Seit über 30 Jahren hat der bekannte amerikanische Medizinprofessor das Thema Achtsamkeit im Fokus und zahlreiche Programme zur Stressreduktion entwickelt. Seine Anwesenheit zeigt, dass das Thema in der Gesellschaft (endlich) angekommen ist. Dies liegt zum einen daran, dass wir heute wissenschaftliche – zum Beispiel neurobiologische – Erklärungen zur Wirksamkeit geben können. Esoterisch anmutende Glaubensfragen sind endgültig Vergangenheit, das Thema ist „anschlussfähig“ geworden. Zum anderen ist angesichts vieler ungelöster Probleme und Krisen eine neue Sehnsucht, ein Bedürfnis nach Rückzug und Balance signifikant spürbar.

Auch im Coaching begegnet uns das Thema immer häufiger, nämlich in Form von Anliegen, die man mit der Suche nach Entlastung oder Gelassenheit betiteln kann. Achtsamkeit ist in aller Munde und erscheint als wirksames Mittel, um den Anforderungen und Sehnsüchten unserer Zeit zu begegnen.


Achtsamkeit – was ist das eigentlich genau?

Seine Wurzeln hat der Begriff Achtsamkeit im Buddhismus. Buddha erläutert in vielen Texten dieser Religion die Auswirkungen und die Rolle der Achtsamkeit bei der Erlangung von Weisheit. Die heutige Lesart des Begriffs Achtsamkeit ist die eigene Aufmerksamkeit auf den Augenblick im Hier und Jetzt zu lenken und zu halten, ohne dabei die eigene Wahrnehmung zu bewerten und emotional zu reagieren. Anders als im Buddhismus ist das Ziel nicht die Auflösung, sondern die Wiederentdeckung des Selbst. Fast die Hälfte unserer Wachzeit schweifen wir mit unseren Gedanken unwillentlich ab, unsere Konzentration auf ein Thema ist mitunter sehr begrenzt. Achtsamkeit ist daher ein Zustand, den wir nicht einfach besitzen, sondern lernen müssen. Wenn es uns gelingt achtsam zu sein, hat dies neurobiologisch nachweisbare positive Veränderungen von Hirnfunktionen und Strukturen zur Folge. Neurobiologie und Meditation erweisen sich als zwei Seiten einer Medaille.

Wenn wir uns also bewusst werden über unsere automatisierten Bewertungen, können wir diese entkoppeln, neu betrachten, bewerten oder justieren. Insbesondere in Situationen, die nicht beeinflussbar erscheinen, ist die Achtsamkeit ein Zustand, der uns unabhängiger macht und Möglichkeiten bietet, trotz widriger Umstände mit der Situation in unserem Sinne besser umzugehen.

Die bekannte Psychologin und Expertin Shauna Shapiro spricht 2006 von “reperceiving”, also eine Art neuer Wahrnehmung, die es uns ermöglicht, uns von der Identifikation von Gedanken und Emotionen zu lösen.

Die deutschen Neuropsychologen Britta Hölzel und Ulrich Ott stellten 2011 ein anerkanntes Klassifikationsschema für die verschiedenen Wirkmechanismen der Achtsamkeit auf:

  • die Regulation der Aufmerksamkeit
  • das Körperbewusstsein
  • die Emotionsregulation
  • die Selbstwahrnehmung

In der praktischen Anwendung startet der Lernprozess mit der Regulation der Aufmerksamkeit und setzt sich dann stufenweise fort.

Was bedeutet das nun für das Coaching? Wir sind überzeugt, dass Achtsamkeit eine Fähigkeit darstellt, die es unseren Klienten in vielen Fällen ermöglicht, eine neue Perspektive einzunehmen und damit ihre Anliegen zu lösen. Da man Achtsamkeit aber nicht von heute auf morgen erlernen kann, ist es umso wichtiger, dass wir mit Ansätzen arbeiten, die die verschiedenen Wirkmechanismen ansprechen.

Viele in der Coaching Convention vorgestellten Konzepte können den oben beschriebenen Wirkmechanismen zugeordnet werden. Dies ist bei vielen Ansätzen der Fall, für uns ist es in diesem Kontext wichtig, dass der Coach sich darüber bewusst ist, dass nachhaltige Lösungen auf allen Ebenen zu finden sind und daher zukünftig verstärkt in Coaching-Prozesse integriert werden.

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