"Das macht was mit einem."

"Das macht was mit einem."

"Das macht was mit einem."

An einem wunderschönen Mittwochmorgen bin ich auf dem Weg in den Düsseldorfer Medienhafen. Der Grund: das Grundlagenseminar meiner Coaching-Ausbildung an der Calumis Akademie. Obwohl die Woche sonst ziemlich novemberlich – sprich nass und grau – war, ist heute strahlend blauer Himmel. Bestimmt ein gutes Omen. Die Wetterlage passt auf jeden Fall zu meiner positiven Erwartung. Drei Tage liegen vor mir, von denen ich noch nicht so recht weiß, was mich erwarten wird. Ich hingegen erwarte viele neue Impulse – und hoffentlich auch viele nette andere Teilnehmer. Soviel vorweg: Ich sollte nicht enttäuscht werden.

Ich betrete die Location. Eine Mischung aus Büro und Atelier mit abstrakten, bunten Kunstwerken, dazwischen moderne Möbel, Flipcharts und Metaplanwände. Ein Raum, in dem offenbar sehr anders gedacht und offenbar auch gearbeitet wird. Man kommt sofort ins Gespräch und fühlt sich gleich zu Hause. Alle in der Gruppe haben Spaß und Interesse am Zwischenmenschlichen.

Meine Landkarte, deine Landkarte.

Am ersten Tag lernen wir erste Coaching-Tools kennen und können auch direkt etwas ausprobieren. In Kleingruppen üben wir Coaching-Techniken und geben uns Feedback. Aber vor allem geht es an diesem Tag um das Erlernen und Erleben der richtigen Coaching-Haltung.

Am nächsten Morgen starten wir mit einer kleinen Feedbackrunde: Wie fühlen wir uns? Wie war es gestern? Einer der Teilnehmer sagt: „Das macht etwas mit einem. Gestern Abend während der Autofahrt, am Telefon mit Freunden, irgendwie ist was anders.“ Die Stimmung in der Gruppe ist toll. Positiv, wertschätzend und total humorvoll.

Holländische Weihnachtslieder mit Pantomimen-Performance

Apropos Humor – nach der Mittagspause muss ein Teil der Gruppe eine Performance abliefern. Das ist hier ein ungeschriebenes Calumis Gesetz, wenn man nach einer Breakout Session oder Kaffeepause zu spät zurück an seinem Platz ist. Die anderen sitzen im Stuhlkreis und warten gespannt. Einer der Teilnehmer liest ein holländisches Weihnachtslied vor und die anderen machen Pantomime dazu. Es wird frenetisch applaudiert und herzhaft gelacht, und sofort sind alle wieder fit für den Nachmittag.

Besonders spannend ist es, wenn in den Gruppenübungen plötzlich genau die Mechanismen deutlich werden, die gerade besprochen wurden. Da wundert es dann keinen, dass bei der Aufgabe, den so genannten Antreibern bestimmte Kernaussagen zuzuordnen, die Gruppe „Beeil Dich“ am schnellsten fertig ist, die Gruppe „Sei perfekt“ hingegen noch lange nicht.

Vor dem Grundlagenseminar hatte ich Bedenken, dass die Ausbildung neben meinem Job überfordernd sein könnte und mir zu viel Energie rauben würde. Nach diesen drei Tagen ist mir klar, dass mir die Ausbildung eher zusätzliche Energie gibt und ganz viele tolle Impulse, die ich mit zurück an meinen Arbeitsplatz nehmen werde. 

Mein erstes Coaching.

Während des ersten Abschnitts der darauf folgenden Kernausbildung spüre ich die Vorfreude darauf, endlich richtig loszulegen. Deshalb nutze ich die dazwischenliegenden Wochen, um mir meine ersten Coachees zu suchen.

Kurz vor Weihnachten hatte ich dann meine erste richtige Coaching-Sitzung. Es war fantastisch. Das Gespräch hatte einen natürlichen Fluss, die Klientin hat sich geöffnet und ich konnte erste Techniken anwenden. Es hat einfach richtig Spaß gemacht. Nach dieser Stunde wusste ich, dass die Entscheidung für die Ausbildung genau das Richtige für mich ist.

Weiter geht’s.

Es ist der 11. Januar, und der zweite Abschnitt der Kernausbildung beginnt. Ich freue mich total, weil ich nun schon drei Mal selbst gecoacht habe und die Theorie jetzt in meine Praxiserfahrungen integrieren kann. Es ist schön, die Gruppe wiederzusehen, die Stimmung ist sehr herzlich und positiv.

Wir lernen in diesem Abschnitt der Kernausbildung viel über den „Lösungsfokussierten Ansatz“. Hier geht man davon aus, dass in komplexen sozialen Systemen die Lösung nicht zwangsläufig direkt mit dem Problem zusammenhängt. Es gibt keinen linearen Bezug, da Ursache und Wirkung zu vielschichtig sind. Deshalb ist es nicht zielführend, immer tiefer in die Problembeschreibung einzutauchen und dort nach einer Lösung zu suchen. Vielmehr sucht man nach Ausnahmen, nach Situationen, in denen das Problem weniger schlimm war und baut hierdurch neue Perspektiven und Lösungsmöglichkeiten und vor allem: den Klienten auf.

Insgesamt werden unsere Übungssequenzen, in denen wir das Gelernte anwenden, jetzt auch immer länger. An jedem Tag ist nun auch ein so genannter Mentorcoach dabei, der hilfreiches Feedback nach den Übungen gibt. Wertvolle Erfahrungen aus erster Hand, also. So ergibt sich ein tolles Zwischenspiel zwischen Praxis und Reflexion.

Am letzten Tag haben wir unsere erste Supervision. Nach einem strukturierten Vorgehen werden vier Coaching-Fälle der Teilnehmer durchgearbeitet. Auch ich präsentiere meinen Fall und bekomme hilfreiche Denkanstöße für Hypothesen und Optionen, wie ich den weiteren Prozess des Coachings gestalten könnte.

Ein weiteres Highlight  (neben der Spinatlasagne am Mittag) war für mich ein Video mit einer Coaching-Sequenz mit der in 2007 verstorbenen Insoo Kim Berg. Sie ist in dem Film um die 60 Jahre und eine Koryphäe im Bereich der lösungsfokussierten Therapie. Sie zeichnet eine unglaubliche Ausstrahlung der Ruhe, Wertschätzung und des ehrlichen Interesses aus. Eine tolle Inspirationsquelle, die mir vor allem noch mehr Motivation gibt, immer mehr selbst zu coachen und so meinen eigenen Coaching-Stil zu finden.

Bis ich jedoch meinen eigenen Coaching-Stil gefunden habe, wird es wohl noch ein Weilchen dauern. Aber dafür darf ich mich noch auf den dritten Teil der Kernausbildung und den darauf folgenden Master Coach Abschnitten freuen – und natürlich auf die anderen Teilnehmer, die mittlerweile schon so etwas wie vertraute Weggefährten geworden sind. Eine Zeit, die ich nie vergessen werde, soviel ist jetzt schon sicher.

 

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