Frank Gieth

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Die Führungskraft als Coach

Führung ist dadurch gekennzeichnet, dass eine Führungskraft bildlich gesprochen „ihre Mitarbeiter in Bewegung setzt“. Dies kann eine Führungskraft auf unterschiedliche Weise tun. Wichtig dabei ist, dass die Führungskraft geeignete Rahmenbedingungen schafft, damit Mitarbeiter ihre Aufgaben erfolgreich ausführen, Ziele erreichen und sich idealerweise weiterentwickeln. Dabei agiert die Führungskraft aus einer hierarchischen Rolle und trägt die Verantwortung für die Zielerreichung.

Der einzige gemeinsame Aspekt zwischen Führung und Coaching ist das Thema „in Bewegung setzen“. Der Coach als Verantwortlicher für den Prozess steuert den Klienten, damit dieser sein individuelles Ziel schnellstmöglich erreichen bzw. umsetzen kann. Im Gegensatz zu einer Führungskraft agiert der Coach allerdings aus einer Position des Nichtwissens und einer Haltung, die neugierig, empathisch und wertschätzend sein sollte. Damit haben die Rollen auf den ersten Blick unterschiedliche Anforderungen. Es stellt sich die Frage: Sind die Rollen miteinander vereinbar, und wenn ja, unter welchen Rahmenbedingungen?

Die Führungskraft kann als Coach agieren, wenn beide Seiten wollen

Wichtigste Voraussetzung für ein Coaching zwischen Mitarbeiter und Führungskraft ist zunächst einmal gegenseitiges Vertrauen. Der Mitarbeiter muss der Führungskraft vertrauen, um sich öffnen zu können. Ein anderer Punkt ist Verantwortung: Da der Mitarbeiter als Coachee für die Lösung seines Themas selbst verantwortlich ist, muss hier grundsätzlich die Bereitschaft vorliegen, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen.

In der Regel agieren Führungskräfte aus einer beratenden Experten-Haltung „Ich weiß, wie es geht“. Handlungsvorschläge und Tipps sind schnell gegeben, aber häufig beim Mitarbeiter nicht anschlussfähig. Wenn die Führungskraft aus einer Coach-Rolle handelt, dann erfordert dies mehr Zeit und die Bereitschaft, sich auf den anderen einzulassen. Dies kann zu Ambivalenzen auf Seiten der Führungskraft führen. Wieviel Zeit nehme ich mir für einen Mitarbeiter? Welche anderen Aufgaben stelle ich zurück? Ist Coaching wirklich der richtige Weg? Von daher ist eine wichtige Grundvoraussetzung, dass die Führungskraft selbst von Coaching überzeugt ist.

An welche Grenzen stößt die Führungskraft als Coach?

Natürliche Grenzen bieten sich der Führungskraft immer da, wenn sie selbst involviert ist, beispielsweise als Partei in einem Konflikt. Ist die Führungskraft sachlich oder emotional voreingenommen, kann sie nicht mehr aus einer Position des „Nichtwissen“ handeln und Coaching ermöglichen.
Auch immer da, wo eine Führungskraft disziplinarische Maßnahmen aus ihrer hierarchischen Rolle ausübt, stößt Coaching naturgemäß an seine Grenzen.
Dagegen können Themen wie Karriereplanung, Selbstmanagement oder Aspekte auch dem Bereich Persönlichkeitsentwicklung mit Coaching Methoden bearbeitet werden.

Möglicher Nutzen für den Mitarbeiter und die Führungskraft

Sind die Voraussetzungen für ein Coaching erfüllt, dann profitieren in der Regel bei Seiten davon, wenn die Führungskraft den Mitarbeiter zu bestimmten Themen coacht. Die Mitarbeiter werden durch das Coaching dazu befähigt, eigene Lösungen für ihre Fragen und Anliegen zu finden. Der Mitarbeiter erfährt dabei in einer besonderen Weise Wertschätzung von seiner Führungskraft, wenn sich diese Zeit für ein Mitarbeiteranliegen nimmt und Coaching anbietet.

Bildet sich eine Führungskraft als Coach weiter, dann erhöht sie damit einerseits ihre fachlichen und methodischen Kompetenzen. Viele Coaching Instrumente sind Handwerkzeuge und als solche gut erlernbar. Den vermutlichen größten Benefit erfährt die Führungskraft aber dadurch, dass sich über unterschiedliche innere Haltungen bewusst wird und diese bewusst einsetzen kann. Agiert eine Führungskraft aus einer Coaching-Haltung führt es häufig dazu, dass Stärken und Entwicklungsfelder eine höhere Akzeptanz erfahren und situatives Führen im Hinblick auf persönliche Präferenzen der Mitarbeiter stattfinden kann. In diesem Sinne kann eine Führungskraft als Coach sich selbst weiterentwickeln und Mitarbeiter dabei unterstützen, eigene Lösungen zu entdecken, die nachhaltig sind.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Thema? Coachen Sie als Führungskraft? Wo sehen Sie Möglichkeiten und Grenzen? Wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen.

Ein Seminar zum Thema

Sie finden das Thema interessant für Ihre Arbeit als Führungskraft? Dann sind Sie hier richtig: Erstmals wird an der Calumis Akademie mit „Die Führungskraft als Coach“ vom 05. bis zum 07. September 2016 ein dreitägiges Seminar speziell für Führungskräfte stattfinden, die sich mit den Grundlagen des Business Coaching vertraut machen möchten. Dieses Seminar wird zudem als Grundlagenseminar für die Ausbildung zum Systemischen Business Coach angerechnet. Weitere Informationen finden Sie hier.

Frank Gieth arbeitete rund 15 Jahre in verschiedenen HR-Funktionen eines DAX 30 Konzerns und sammelte dabei selbst Führungserfahrungen als Projekt- und Abteilungsleiter. Seit 2012 arbeitet Frank Gieth als Business Coach, Trainer und Berater im Bereich Führungskräfteentwicklung und betriebliches Bildungsmanagement (Corporate Learning). An der Calumis Akademie ist Frank Gieth als Supervisor, Mentorcoach und Trainer aktiv.

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