Annette Mailänder

Annette Mailänder

Annette Mailänder

Die Idee der Gewaltfreien Kommunikation.

Wie sieht es aus, wenn wir "gewaltvoll" miteinander reden? Es ist doch nicht so, dass wir uns im Alltag ständig gegenseitig anschreien oder mit Schimpfworten belegen, oder? Um was geht es also bei der Gewaltfreien Kommunikation? Und wie können wir sie wirkungsvoll in unserer Arbeit als Coaches nutzen?

Sprachliche Gewalt im Arbeitsalltag?

Für die meisten von uns sind Fairness, Offenheit und Austausch auf Augenhöhe wesentliche Werte im beruflichen Kontext. Trotzdem gibt es viele Situationen im Laufe eines Arbeitstages, in denen wir uns in der Gesellschaft von Kolleginnen, Vorgesetzten oder Geschäftspartnern nicht wohl fühlen. Wir empfinden Frustration, Enttäuschung, Mutlosigkeit und manchmal einfach nur Ärger und Wut.

An vielen dieser Situationen sind Muster sprachlicher Gewalt beteiligt. Zum Beispiel dann, wenn wir selbst oder andere

• das Verhalten anderer Personen beurteilen anstatt es wertfrei zu beobachten:
"Es ist eine Unverschämtheit, wie mich die Chefsekretärin behandelt hat." anstatt "Die Chefsekretärin hat mich nicht zum Geschäftsführer durchgestellt."

• von Verhaltensweisen im Einzelfall ausgehend Verallgemeinerungen vornehmen:
"Der neue Kollege ist absolut unzuverlässig." anstatt "Der neue Kollege war heute Morgen erst um 9.30 Uhr im Büro."

• in richtig oder falsch unterteilen:
"Meine Kollegin hat das Sitzungsprotokoll erstellt. Leider komplett falsch." anstatt "Meine Kollegin hat nicht die Formatvorlage verwendet, die wir üblicherweise verwenden."

• Schuldige für Situationen suchen:
"Ich werde mit meiner Arbeit nicht fertig, weil die Kollegen ständig Witze machen und lachen." anstatt "Ich arbeite an einer anspruchsvollen Aufgabe und brauche Ruhe, um mich darauf konzentrieren zu können."

• Motive und schlechte Absichten für Verhaltensweisen unterstellen:
"Das macht die Chefin doch nur, um uns wieder blöd dastehen zu lassen." anstatt "Die Chefin hat die Produktionsstatistik in der Bereichsleiterrunde vorgestellt."

Die gewaltlose Kommunikation hat übrigens zwei Tiere als Symbole: Die Giraffe ist das Landtier mit dem größten Herzen und steht für einfühlsame Kommunikation. Ihr langer Hals verschafft ihr einen guten Überblick und Weitsicht. Das zweite Tier ist der Wolf. Die Wolfssprache steht für urteilen, kritisieren, analysieren, moralisieren und beschuldigen. Wenn wir uns ungerecht behandelt oder angegriffen fühlen oder wenn wir eigene Wünsche durchsetzen wollen, sprechen wir gern in der Wolfssprache. Die Wolfssprache trennt, die Giraffensprache schafft die Basis für empathische Verbindungen.

Mit der GFK ein Bewusstsein für die Verwendung eigener Sprachmuster schaffen.

Ein wichtiger Schritt hin zu einem gewaltfreien sprachlichen Umgang miteinander besteht darin, sich dieser Muster bewusst zu werden. Im Anschluss ist es hilfreich zu verstehen, was hinter diesen Sprachmustern steckt und worum es wirklich geht, wenn wir sie verwenden.

Was sagen diese Sätze über die Befindlichkeit dessen aus, der sie äußert? Was fehlt ihm oder ihr in diesem Moment? Welches Bedürfnis ist nicht erfüllt? Was hört jemand, dem wir mit solchen Sprachmustern begegnen? Und wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir unsere Ziele erreichen, wenn wir auf diese Art miteinander reden?

All dies sind Fragen, die wir auch im Coaching thematisieren, Sätze wie die oben genannten begegnen uns vielfach in Gesprächen mit unseren Coachees, wenn sie uns ihre Anliegen schildern. Das Bewusstsein für das Vorhandensein dieser Muster stellt bereits einen ersten Perspektivwechsel dar und öffnet den Weg für Alternativen.

Wie können wir die GFK wirkungsvoll in unsere Arbeit als Coaches integrieren?

Die Gewaltfeie Kommunikation bietet ein alternatives Kommunikationsmuster aus den vier Schritten "Beobachtung - Gefühl - Bedürfnis - Bitte" an. Diese sehr einfach klingenden vier Schritte sind in vielen Konfliktsituationen eine große Hilfe beim Aufbau empathischer Verbindungen zu anderen Menschen. Im Coaching lassen sie sich sehr wirkungsvoll zur Strukturierung von Prozessen verwenden – mitunter bei der Arbeit mit Glaubenssätzen, der Körperarbeit mit Gefühlen, bei Aussöhnung mit getroffenen Entscheidungen sowie der Bearbeitung von Ängsten, um nur einige zu nennen.

Für uns als Coaches entwickelt sich aus der Anwendung der Schritte nach und nach eine innere Haltung, die uns selber und unseren Umgang mit Klienten nachhaltig verändert. Der Schlüssel zum Gelingen dieser Prozesse liegt in der Bereitschaft und Fähigkeit zu Empathie und Selbstempathie.

Sie haben Anregungen oder Kritik? Wir freuen uns auf Ihr Feedback. Sie möchten mehr über Gewaltfreie Kommunikation erfahren? Am 9. und 10.09.2016 findet ein Workshop zu diesem Thema statt. Alle Infos hierzu finden Sie hier.

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