Ziele im Coaching vereinbaren

Ziele im Coaching vereinbaren

Veröffentlicht in Coaching, Ziele, SMART

Ziele im Coaching vereinbaren

Coaches und TeamCoaches sowie Berater und Trainer stolpern im Einzelcoaching immer wieder über die Unwegsamkeiten SMARTer Zielvereinbarungen. ...häufig zu Recht. 

SMART steht für das Akronym: (S pezifisch, M essbar, A ttraktiv, R ealistisch, T erminiert). SMARTe Zielvereinbarungen sind nachweislich besonders geeignet für einfach strukturierte Aufgaben und eine klare Ergebnisbeschreibung.

Die Komplexität der Anliegen vieler Coachees setzt der SMARTen Zielsetzung jedoch Grenzen. Häufig kann im voraus nicht eindeutig geklärt werden, wie ein Zielzustand sich darstellt. Ebenso sind sinnvolle Maßnahmen oder das erwünschtes Handeln unklar zum Zeitpunkt der Zielvereinbarung. SMARTe Ziele sind nachweislich[1] besonders gut bei einfach strukturierten Aufgaben, bei denen die Vorgehensweise bekannt und klar ist.  Bei komplexen Aufgaben, wie die persönliche Entwicklung fehlen wichtige Komponenten. So weiß ein Coachee zu Beginn nicht unbedingt, wie das „richtige“ Handeln, die Maßnahme auszusehen hat. „Ein spezifisches Ziel hat nur dann eine Aussicht auf Erfolg, wenn Strategien bekannt sind, die sinnvoller Weise angewendet werden können. Ansonsten kann es oft vielversprechender sein, in Situation mit einem hohen Grad an Unwissenheit nur ein allgemeines Ziel in Form: “Gib-Dein- Bestes“ zu setzen.“[2] Andererseits erwarten Coachees und Unternehmen, das Coach und Coachee an konkreten Zielen arbeiten, die konkreter formuliert sind. „Mach das Beste“ wird als nicht ausreichend angesehen. 

[1] Lathman, G. & Locke, E. (2007) New developments and directions for goal-setting research. European Psychologist , 12, 290-300

[2] Storch, M. (2009) in Bigmeier, B (Hrsg) : Coachingwissen, denn sie wissen nicht, was sie tun? GWV Fachverlag GmbH S. 183-235


Ein ungebrochener Trend, der interessanter Weise wissenschaftlich längst überholt ist, setzt sich in der Praxis unvermindert fort. Im Coaching sollten wir daher genau darauf achten, welchen Aufgabentyp oder anders formuliert, welches Anliegen der Coachee verfolgt. In der Regel sind das komplexe Aufgaben und Ziele, die eine erweiterte Zielformulierung erfordern. So sollte der Coach sicherstellen, ob der Coachee für das Ziel intrinsisch motiviert ist und das keine Zielkonflikte bestehen.

Denken wir z.B. an Ziele, wie „3 x in der Woche Laufen gehen“, wer hat sich so etwas nicht schon mal vorgenommen und obwohl dies sehr sinnvoll erscheint, nicht umgesetzt. Verantwortlich für die mangelnde Umsetzungsenergie sind inneren Zielkonflikte. Nicht alles, was auf der bewussten Ebene logisch erscheint, findet auf der „unbewussten“ Ebene, der Bedürfnisse, Erfahrungen, einen positiven Zuspruch.   

Der Coach sollte daher bei jeder Zielformulierung darauf achten, dass sich beide Ebenen wiederfinden, d.h. SMARTe Ergebnisziele und affektive Haltungsziele. Letztere bezeichnen Ziele, die in der Tradition der Bedürfnisse und Erfahrungen stehen. Diese werden häufig auch motivationale Ziele genannt, also Ziele, die einen gewissen „Zielkorridor“ beschreiben und die innere Verfassung des Zielsetzenden einbeziehen. Sie beschreiben die innere Haltung und Einstellungen des Coachees und gehen davon aus, das verschiedene Verhaltensweisen zur Erreichung eines allgemeinen Haltungsziels führen. In Anlehnung an diese Feststellung sprechen wir von unterschiedlichen Konstruktionsebenen eines Zieles:

-      Hohe Ebene (allgemeine Haltung) 

-      Mittlere Ebene (konkretes Ergebnis)

-      Niedrige Ebene (konkretes Verhalten)

Experimentell konnte bereits nachgewiesen werden, dass Ziele, die auf einer hohen Ebene verortet sind, einer stärkeren Selbstkontrolle unterliegen und damit die Umsetzungswahrscheinlichkeit erhöhen.

Gibt man Menschen z.B. die Aufgabe einen Gegenstand festzuhalten unter der Überschrift: „Test von Willenskraft“ (hohe Ebene) oder „Test von Muskelkraft“ (niedrige Ebene), dann halten die Versuchspersonen mit dem Haltungsziel länger durch.

Für eine nachhaltige Umsetzung von Zielen sollten wir im Coaching  zusätzlich darauf achten, dass die formulierten Ziele nur wenige negative Affekte aufweisen und auch bildlich repräsentiert sind. Alle genannten Ebenen finden sich im Zieltyp „Motto-Ziel“ wieder. Letzteres geht über SMARTe Zielformulierungen hinaus und wird bei uns in der Akademie im kommenden Jahr gleich mehrfach in Form von Praxisabenden und Fortbildungen berücksichtigt.

Vertiefender Praxisabend zu diesem Thema findest du hier

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